Zahnfehlstellungen und ihre Folgen: #
Von einem kosmetischen Problem bis hin zu ernsthaften Folgen für die Gesundheit des Hundes können Zahnfehlstellungen unterschiedlich gravierend und damit behandlungsbedürftig sein.
Ein Unter- oder Überbiss oder die Fehlstellung einzelner oder mehrere Zähne verändern die Druckverhältnisse im Maul mit entsprechenden Folgen: Sind z.B. die Spitzen der Unterkieferfangzähne (Canini) nach innen verlagert, kommt es zu andauerndem Druck auf den harten Gaumen. Oft entstehen Entzündungen der Einbisslöcher. Das größte Problem ist aber, dass durch einen Einbiss, das Kieferwachstum gehemmt wird und eine dauerhafte Problematik bleibt.
Auch gekippte, verdrehte, verschobene oder ganz falsch angelegte Zähne sind problematisch. Es kommt durch die unnatürliche Abnutzung (Abrasion) zu Zahnschmelzschäden und es entstehen Schmerzen durch die falschen Druckverhältnisse. Am Ende können Zahnfleischentzündung, Schwund von Zahnfleisch und/ oder Kieferknochen und damit eine Lockerung und ein Ausfallen der Zähne oder eine notwendige Extraktion, also das Ziehen eines oder mehrerer Zähne, stehen.
Ursache und Korrektur von Zahnfehlstellungen: #
Viele Zahn- und Kieferfehlstellungen sind genetisch bedingt. Einige Anomalien, wie Kieferfehlbildungen, können bereits früh erkannt werden. Andere Veränderungen lassen sich jedoch erst nach dem Durchbruch der bleibenden Zähne sicher beurteilen. Persistierende Milchzähne oder überzählige Zähne können die normale Entwicklung des bleibenden Gebisses erheblich beeinträchtigen und sollten deshalb frühzeitig diagnostiziert und behandelt werden.
Eine kieferorthopädische Behandlung sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Eine zuverlässige Beurteilung des endgültigen Gebisses ist jedoch erst möglich, wenn die bleibenden Zähne vollständig oder nahezu vollständig durchgebrochen sind. Während des Zahnwechsels verändern sich Zahnstellung und Okklusion noch erheblich. Für optimale Behandlungsergebnisse sollte eine notwendige kieferorthopädische Therapie in der Regel spätestens bis zum Alter von etwa acht Monaten begonnen werden, da sich Kiefer und Knochen in dieser Phase noch im Wachstum befinden.
Wie bei Menschen gibt es auch bei Hunden diverse Apparaturen zur kieferorthopädischen Behandlung. Mithilfe dieser Systeme können z.B. Zähne im Kiefer neu ausgerichtet und damit in die gesunde Zahnreihe integriert werden. Die folgenden kieferorthopädischen Maßnahmen gibt es:
Kieferorthopädische Maßnahmen aus Brackets und Kette: #
Elastische Kunststoff- oder Gummiketten können von einem Zahn zum nächsten oder auch zum Kiefer gespannt werden. Auf den gewünschten Zähnen werden sogenannte Brackets (auch: Braquets) angebracht, das sind Metall- oder Kunststoffplättchen. An der Spitze eines Eckzahns kann auch einfach eine Schlaufe der Kette verwendet werden. Der Zahn wird hierfür vorbereitet (u.a. gereinigt und aufgeraut), dann werden die Brackets aufgeklebt. Mittels der elastischen Kunststoffketten wird Zug auf den Zahn gebracht, der ihn Stück für Stück in die richtige Richtung bringt. Anstatt das zweite Bracket auf einem Zahn zu befestigen, kann auch mit einer Knochenschraube ein Anker im Kiefer gelegt werden, der den Zug aufnimmt. Die Kette wird regelmäßig neu verspannt. Nach etwa 4-6 Wochen hat der Zahn die gewünschte Position erreicht und die Apparatur kann entfernt werden. (Statt der Kette kann auch ein spezieller Draht verwendet werden.)
Kieferorthopädische Maßnahme: Aufbissschiene #
Zur Korrektur von z.B. zu steil stehenden Unterkiefereckzähnen können auch sogenannte Aufbissschienen aus Kunststoff oder Metall verwendet werden, deren Herstellung allerdings etwas aufwändiger ist. Häufig wird zunächst Gipsabdruck des Hundemauls angefertigt. Dann wird im Dentallabor die individuelle Schiene angefertigt, wahlweise auch in Metallausführung. Diese wird mit speziellem Kunststoff in den Oberkiefer eingeklebt bzw. mit Drahtklammern befestigt. Bei jedem Kauen übt sie jetzt Druck auf den Zahn aus und bringt ihn somit in die richtige Stellung. Ein Verstellen ist nicht nötig und auch nicht möglich. Es gibt auch die Möglichkeit, die Schiene direkt im Maul zu modellieren, was besonders bei kleineren Korrekturen gut funktioniert. Größere Platten hingegen werden eher im Labor hergestellt. Nach ca. 8-12 Wochen kann die Aufbissschiene entfernt werden.
Kieferorthopädische Maßnahme: Dehnschraube #
Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Dehnschrauben. Dabei wird zwischen den Unterkiefereckzähnen, die nach außen verlagert werden sollen, mittig eine Metallschraube mit endständig verbreiterten Enden und Ösen für Drahtumschlingung der Zähne eingesetzt und festgeklebt. Mittels eines Stellschlüssels wird die Schraube auf Spannung gebracht und alle paar Tage nachgestellt. Dies kann vor Ort in der Praxis/Klinik erfolgen, manchmal können es aber die Besitzer nach genauer Einweisung und regelmäßiger Kontrolle durch den Tierarzt/-ärztin auch selbst durchführen. Dabei ist initial nach dem Einstellen der Druck sehr groß und nimmt dann über die Zeit sukzessive ab. Nach Erreichen der korrekten Zahnstellung verbleibt die Schraube noch eine Zeit im Maul, ohne erneut gestellt zu werden. Nur so kann die neue Position der Zähne mittels Knochenumbau gesichert werden.
Woran erkenne ich, dass mein Hund eine kieferorthopädische Behandlung benötigt? #
Bereits während der Grundimmunisierung sollte bei jeder Untersuchung eine gründliche klinische Kontrolle der Maulhöhle erfolgen. Dabei beurteilt ein Tierzahnarzt/eine Tierzahnärztin oder ein/e in der Zahnheilkunde erfahrener Tierarzt/Tierärztin die Vollständigkeit der Zähne, deren Position, den Zahnwechsel, den Zustand des Zahnfleisches sowie mögliche Fehlstellungen oder Kieferanomalien. Werden Auffälligkeiten festgestellt, sind engmaschigere Nachkontrollen sinnvoll, um den optimalen Zeitpunkt einer Behandlung nicht zu verpassen.
Welche ist das richtige kieferorthopädische System und wie lange muss mein Hund es tragen? #
Wichtig bei allen Zahnkorrekturen ist, dass die gewünschte Richtung und die erforderlichen Zugkräfte genau bekannt sind. Der richtige Ansprechpartner ist ein/e darauf spezialisierte/r Tierarzt/ärztin. Je nach Alter des Hundes und der Problemstellung variiert die Wahl des Systems und auch die Verweildauer im Hundemaul. Dafür wird der Tierarzt den Hund eingehend untersuchen. Manchmal ist das Zahnröntgen bei Tieren nötig, weil z.B. auch nicht sichtbare Zahnanlagen dargestellt werden.
Nach erfolgreicher Korrektur muss das kieferorthopädische System noch eine Weile an Ort und Stelle bleiben, damit sich die neue Zahnstellung festigt. Andernfalls würde der Zahn zurück in die alte Position rutschen. Nur bei ausreichender Behandlungsdauer hat der Knochen genug Zeit, sich umzubauen.
Mögliche Komplikationen #
Je nach System können sich Futterreste ansammeln. Auch Zahnfleischentzündungen kommen vor, insbesondere bei großen Aufbissschienen. Diese Entzündungen klingen zwar nach dem Entfernen des jeweiligen kieferorthopädischen Systems schnell ab, schnell ab, verursachen aber trotzdem während des Tragens Unwohlsein beim Tier. Daher werden die Tierhalter in eine bestmögliche Pflege der Zahnapparaturen eingewiesen.
Wichtige Informationen vorab #
Alle kieferorthopädischen Systeme werden beim Hund wird unter Narkose eingesetzt. Ihr/e Tierarzt/Tierärztin wird Sie, wie bei jedem Eingriff, über alle Risiken ausführlich informieren. In der Regel gewöhnen sich die Hunde recht schnell an die neue kieferorthopädische Maßnahme und können damit auch normal fressen. Nur Knochen und Kauspielzeug dürfen während der Behandlung nicht verwendet werden.
Je nach System können ein unangenehmes Druckgefühl oder in seltenen Fällen auch Schmerzen entstehen - so wie man das auch von Zahnspangen beim Menschen kennt. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hund ernsthafte Schmerzen hat, sprechen Sie unbedingt Ihre/n Tierarzt/Tierärztin darauf an. Dann kann mit einem leichten Schmerzmittel über die evtl. schwierigere Anfangsphase hinweggeholfen werden.
Grundsätzlich gilt: Eine Zahnkorrektur bei Hunden dient der Funktion des Kauapparates, nicht der Optik!
Kosten #
Die Kosten für kieferorthopädische Behandlungen bei Hunden setzen sich aus verschiedenen Posten zusammen: Neben dem Material sind in der Gebührenordnung für Tierärzte bestimmte Sätze für die Durchführung des Einsetzens festgelegt. Hinzu kommen die verwendeten Medikamente. Bei Fragen zu den Kosten fragen Sie einfach Ihre/n Tierarzt/Tierärztin, er/sie berät Sie gern!
Prävention #
Damit es möglichst nicht dazu kommt, dass Ihr Hund eine kieferorthopädische Behandlung braucht, können Sie Folgendes tun:
- regelmäßige Kontrolle während des Zahnwechsels: nicht ausfallende (persistierende) Milchzähne sind ein häufiges Problem. Früh erkannt, können sie rechtzeitig gezogen werden und so eine Fehlstellung der bleibenden Zähne verhindert werden.
- Hunde mit erblichen Zahnfehlstellungen werden von der Zucht ausgeschlossen
Fazit #
Je nach Art und Ausprägung der Fehlstellung können unterschiedliche kieferorthopädische Maßnahmen erforderlich sein. Ziel der Behandlung ist nicht in erster Linie die kosmetische Korrektur, sondern die Wiederherstellung einer schmerzfreien und funktionellen Okklusion sowie die Vermeidung von Verletzungen der Zähne und Weichteile. Die Behandlung sollte ausschließlich durch entsprechend ausgebildete Tierzahnärzte oder spezialisierte Tierärzte durchgeführt werden. Zu Zahnschmerzen bei Tieren, die andere Ursachen haben, haben wir hier weitergehende Informationen für Sie bereitgestellt:
- Zahnarzt Katze FORL
- Zahnsteinentfernung
- Abgebrochener Zahn
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