Stöckchenverletzung beim Hund

Beim Spiel mit Stöcken folgt die Strafe auf dem Fuß: Hunde tragen oft sehr schwerwiegende Verletzungen davon.

Stockverletzungen im Bereich der Maulhöhle treten bei Hunden relativ häufig auf. Sie entstehen meist, wenn die Hunde mit hohem Tempo in einen nach Wurf im Boden steckengebliebenen Stock hineinrennen oder ihn sich beim Fangen in den Rachen stoßen. Er stößt durch den großen Schwung in das relativ weiche Gewebe von Maulschleimhaut und Zunge. Dabei kann es zu Verletzungen der Zunge, Rachenmandeln, Speichelgänge, des Gaumens oder sogar der Zähne kommen. Viele Verletzungen sind auf den ersten Blick nicht erkennbar. Daher sollte ein Hund, der eine Schmerzäußerung während des Spiels mit einem Stock zeigt, oder im Anschluss daran auch nur geringgradige Symptome wie beispielsweise Speicheln, unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden. Die Untersuchung sollte bei geringstem Verdacht auf eine Verletzung der Maulhöhlenorgane notfalls unter Narkose
erfolgen.

                          

Auch größere Blutungen, wie sie insbesondere bei Verletzungen der Rachenmandeln auftreten können, sind nicht immer äußerlich sichtbar, da das Blut häufig abgeschluckt wird. Fremdkörpermaterial wie Holzsplitter können sich, unterstützt durch die Bewegungen der Zunge, tief in das Gewebe hineinarbeiten. Es entsteht meist schon nach kurzer Zeit eine hochgradige Entzündungs- und Fremdkörperreaktion. Auch kann es durch massive Schwellungen im Kehlgangsbereich zur Einengung der Luftwege und nachfolgend zu Atemnot kommen.

Einen Eindruck über die schweren Verletzungen vermittelt das nebenstehende Bild: Es zeigt den Zungengrund des Riesenschnauzers "Smaug". Er hatte mit einem großen Stock gespielt - wie vorher auch schon Hunderte Male. Plötzlich hatte er keinen Spaß mehr daran und ging lustlos mit nach hause. Dort fraß er nicht, speichelte und zog sich zurück.

                            

Die sofortige Narkose und Operation förderte diese riesige Sammlung von Holzsplittern ans Tageslicht. Sie steckten alle in der obigen Wunde.

Trotz gewissenhafter Nachsuche zeigte sich nach acht Wochen eine Schwellung in der Gegend des Kehlkopfes. In der Tiefe der Halsmuskulatur wurde in der Ultraschalluntersuchung eine hühnereigroße Flüssigkeitsansammlung mit einem zentralen dichteren Schatten diagnostiziert. Genau dort konnte in einem zweiten Eingriff noch ein weiterer, ca. 2 cm langer Holzsplitter entfernt werden. Er war im Begriff sich zu zersetzen und hatte eine heftige lokale Entzündung ausgelöst. Nach diesem Eingriff verheilte die Wunde schnell und komplikationslos.

Wird nach der Verletzung zunächst abgewartet, kann der ursprünglich einfache kurze Eingriff schnell kompliziert und schwierig werden. In geschwollenem und entzündetem Gewebe sind die oft sehr kleinen Fremdkörper nur sehr schwer aufzufinden. Auch kann sich die Kreislaufsituation des Patienten durch Blutverlust, länger andauernde Schmerzen und Atemnot deutlich verschlechtern und damit das Narkoserisiko erhöhen.

                               

Bei sorgfältiger Nachsuche und gewissenhafter Versorgung heilen die Verletzungen erstaunlich schnell ab. Smaug fraß bereits nach zwei Tagen wieder normal. Er wunderte sich, dass seine Besitzerin ihm keine Stöcke mehr werfen wollte. Immer wieder legte er ihr besonders interessante Exemplare vor die Füße. Das Foto rechts zeigt die Zunge drei Wochen nach operativer Versorgung: Die Verletzung ist ohne Komplikationen und Narbenbildung abgeheilt. Die Zunge wird vollkommen normal benutzt.

                           

Diese Art der Verletzung lässt sich recht gut vermeiden, wenn man beim Spaziergang auf das Werfen von Stöcken ganz verzichtet. Ganz besonders gefährlich sind bereits brüchige Stöcke: Hier ist Smaug ́s Stock abgebildet, von dem die Splitter abgebrochen waren.

                         

An deren Stelle kann man auf Hundespielzeuge wie Frisbee- Scheiben, Stricke oder mit Trockenfutter gefüllte Stoffsäcke oder -taschen zurückgreifen. Diese lassen sich genauso gut werfen, werden gerne apportiert und beinhalten kaum eine Verletzungsgefahr. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass der Kunststoff nicht splittert. Am besten sind hochdruckpolymerisiertes Nylon oder Vollgummi!

Wir geben aber zu: Weil sie im Wald nicht rumliegen wie Stöcke, muss man sich Frisbee-Scheiben oder Stricke schon selbst mitbringen. Und man muss sie selbst suchen und holen, wenn der Hund nicht mehr mitspielen will.

                                     

Smaug ́s Freund Charlies:"Vielen Dank für das neue Spielzeug. Es macht mindestens genausoviel Spaß - und das ohne Verletzungsrisiko."

© Dr. Staudacher, AniCura Aachen