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Anämie bei der Katze

Eine Anämie wird charakterisiert durch eine Verminderung der Erythrozytenzahl, des Hämatokrits und der Hämoglobinkonzentration. Durch die Abnahme des Blutfarbstoffs in den Gefäßen wird die Sauerstofftransportkapazität eingeschränkt.

Grundsätzlich ist zunächst immer ein Differentialblutbild incl. Retikulozyten zu empfehlen, um eine regenerative (ca. 20-30%) von einer nicht regenerativen Anämie (ca. 70-80%) abzugrenzen.

Retikulozytenzahlen > 50.000/µl, Polychromasie, Anisozytose, evtl. Normoblasten weisen auf eine regenerative Anämie hin.
Ausnahme: im Initialstadium während der ersten 2-5 Tage sind die Retikulozyten noch nicht erhöht!

  • Blutungsanämie: durch Blutverlust von 20-30% des Blutvolumens durch Trauma, Spontanblutungen, Gefäßrupturen oder Vergiftung mit Cumarinderivaten. Die chronische Blutungsanämie (kann sich zur Eisenmangelanämie entwickeln) wird verursacht durch gastrointestinale (Ursache: IBD, Endoparasiten, Darmtumor, Magenulcus) oder urogenitale Blutungen, sowie Dauerblutspenden, Gerinnungsstörungen oder extremen Flohbefall
  • Hämolytische Anämie: immunbedingt, Infektionen (Hämoplasmen, FeLV, FIP, Sepsis), hereditär (Pyruvatkinasemangel, erhöhte osmotische Fragilität der Erythrozyten), Medikamente (Antibiotika, Thyreostatika), Alloantikörper (Transfusion, neonatale Isoerythrolyse), Giftstoffe (Zwiebeln, Frostschutzmittel, Rizin, Schlangenbiss), metabolisch (Hypophosphatämie).

Die nicht regenerative Anämie ist meist normozytär und normochrom.

  • Knochenmarkserkrankungen durch Medikamente, Chemikalien, Infektionen (FeLV, Parvoviren), ionisierende Strahlung; Pure Red Cell Aplasia; myelodysplastisches Syndrom
  • extramedulläre Ursachen: Anämie chronischer Erkrankungen (Entzündung, Neoplasie), Nieren- und Lebererkrankungen, Hämoplasmen

Kontrovers: feline Hämoplasmen (Mycoplasma haemofelis; Cand. Mycoplasma haemominutum, ehemals Haemobartonella)
In einer neueren Dissertation (Laberke, 2010) wird festgestellt, dass Infektionen mit felinen Hämoplasmen bei der Anämie der Katze keine wesentliche Rolle spielen, da oft auch andere Ursachen (chronische Blutungen) vorhanden waren. Andere Quellen geben Mycoplasma haemofelis als Verursacher von Anämien an, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass zusätzliche Infektionen, z.B. mit Retroviren, das Bild verstärken können.

Schlüsselfragen:

  • Liegt eine Anämie vor?
  • Schweregrad?
  • Charakterisierung: regenerativ – nicht-regenerativ?
  • Andere Zelllinien mitbetroffen?
  • Allgemeinbefinden und Krankheitsentwicklung (chronisch, akut)?
  • Ursachen 1 (Auslandsaufenthalt, Medikamente, Giftaufnahme)?
  • Ursachen 2 (Blutungen, Gerinnungsstörungen, Hinweise in Chemogramm oder Blutausstrich)?
  • Passt das Labor zum Patienten?
  • Sind sekundäre Organschäden erkennbar?

Kleiner Diagnostikleitfaden zur Anämie:

Ery ↓, Hb ↓, Htk ↓

Retikulozyten unangepasst

  • Leukozyten/Thrombozyten nicht unter dem Referenzbereich: sekundäre Knochenmark-Suppression durch chronische Entzündung, Nieren- oder Lebererkrankung, Endokrinopathien, Mangelsymptome (Eisen, B12/Folsäure)
  • Leukozyten/Thrombozyten unter dem Referenzbereich: Knochenmark betroffen ⇒Biopsie

Retikulozyten ↑

  • Serumprotein ↓: externer Blutverlust, Thrombozytopenie, Parasiten
  • Serumprotein normal oder ↑: weiterführende hämatologische, klinisch-chemische sowie Urinuntersuchungen notwendig