Veränderungen an Zehe oder Schwanz bei Reptilien

Veränderungen an Zehe oder Schwanz bei Reptilien

Hier haben wir einige wichtige Informationen zu Verfärbungen von Körperteilen bei Reptilien für Sie zusammengefasst.

Der Reptilienschwanz

Der Reptilienschwanz wird zum Schwimmen und für Droh-/Abwehrverhalten verwendet. Häufige Veränderungen entstehen durch abgestorbenes Gewebe (Nekrosen), Infektionen, Verletzungen, Deformierungen, Abwurf (Autotomie) oder Häutungsstörungen (Dysekdysis). Wir erklären im Folgenden, was das im Einzelnen bedeutet und ob Grund zur Sorge besteht.

Symptome & ihre Ursachen

Infektionen werden meist von Bakterien, seltener auch von Pilzen ausgelöst. Wenn sie nicht behandelt werden, stellen sie eine unmittelbare Gefahr für das Reptil dar: Die Bakterien können von dem

Infektionsherd aufsteigen und zu einer Knochenmarksentzündung und Veränderungen den Wirbeln führen. In Folge dieser Veränderungen kann es durch übermäßige Verknöcherung zur Brückenbildung zwischen den Wirbeln kommen. Diese schränkt die Beweglichkeit stark ein.

Verletzungen (Traumata) an Schwanz und Zehen entstehen häufig durch Bisse (Partnertiere, Beutetiere) oder Abwehrverhalten. Es können einfache Verletzungen sein, die aber unentdeckt und/oder unbehandelt eine Infektion oder Autotomie (Abfallen des Schwanzes) zur Folge haben können. Eine frische Verletzung ist meistens blutig und verändert sich dann in eine eitrige oder nässende Wunde (siehe Infektion). Sogenannte avaskuläre Nekrosen, also eine zu geringe Versorgung des Knochens mit Blut, treten häufig als Folge auf, vor allem beim Grünen Leguan. Schwanzspitzennekrosen werden als dunkle, in der Regel langsam aufsteigende Veränderung beschrieben. Das betroffene Gewebe ist meist trocken und hart. Diese Veränderungen gehen auch mit Schmerzen einher.

Deformierungen können angeborene Fehlbildungen sein, aber auch infolge eines Traumas, einer Infektion oder einer Metabolic Bone Disease (häufige Stoffwechselstörung des Knochens) auftreten.

Umfangsvermehrungen, also Schwellungen oder Knoten, etc. entstehen häufig durch ein Trauma oder eine Infektion. Eine Geschwulst (Tumor, Krebs) spielt eher selten eine Rolle.

Autotomie ist die Fähigkeit bei Gefahr oder Verletzung ein Körperteil abzuwerfen und wieder zu regenerieren. Nach Abwurf des Schwanzes wächst mit der Zeit ein kleines, meist dunkleres Regenerat nach, ein „neuer Schwanz“. Anstatt der normalen Wirbelkörper bildet sich darin ein knorpeliges Gewebe, das also weicher und weniger stabil ist als der ursprüngliche Knochen. Viele Echsenspezies (außer Warane, Krustenechsen und Chamäleons) sind dazu in der Lage. Da der Schwanz bei Gefahr oder Stress abgeworfen werden kann, muss beim Handling der Tiere darauf Rücksicht genommen werden.

Dysekdysis (Häutungsstörung) kann bei Geckos zu festsitzenden Hautfetzen an Schwanz und Gliedmaßen führen. Im schlimmsten Fall kommt es durch Einschnürungen zum Absterben von Gewebe. Die Hauterneuerung läuft je nach Spezies unterschiedlich ab: Gerade bei Echsen sind Häutungsreste nicht selten und müssen nicht zwingend krankhaft sein. Behalten Sie Hautreste nach der Häutung auf jeden Fall gut im Auge.

Wenn Sie Veränderungen an Schwanz oder Zehen Ihres Reptils bemerken, gehen Sie bitte zu einem Reptilien-erfahrenen Tierarzt. Reagieren Sie schnell, wenn Sie Verletzungen o. Ä. sehen, um schlimmere Folgen zu vermeiden.

Diagnostik

Der Tierarzt wird Ihr Tier gründlich untersuchen und ggfs. notwendige weiterführende Tests vornehmen, wie z. B. eine bakteriologische (Bakterien) oder mykologische (Pilze) Untersuchung. Eine Veränderung der Wirbelkörpers lässt sich anhand der veränderten Beweglichkeit und eines Röntgenbildes feststellen.

Therapie

Oberflächliche Wunden können lokal mit desinfizierenden Mitteln behandelt werden. Handelt es sich um eine tiefere Infektion mit bereits abgestorbenem Gewebe und einer möglicherweise aufsteigenden Infektion, ist dies medikamentös nicht zu lösen. Dann ist eine Schwanzamputation erforderlich.

Je nach Verlauf der Infektion/Traumata kann die Fähigkeit zur Autotomie genutzt werden. Es besteht dabei auch die Chance, dass sich ein Regenerat bildet. Deformierungen des Schwanzes können meist nicht behandelt werden.

©Anicura