Körperhaltung Katze

Körperhaltung Katze

Die Körperhaltung einer Katze ist ein regelrechtes Stimmungsbarometer. Mit Übung kann ein Katzenbesitzer die Emotionen seines Tieres anhand der Körperhaltung „lesen“. Auch körperliche Beeinträchtigungen oder Schmerzen spiegeln sich in der Körperhaltung der Katze wider.

Was versteht man unter der Körperhaltung einer Katze?

Die Körperhaltung einer Katze beschreibt die Stellung ihres Körpers, definiert über ein komplexes Zusammenspiel von Muskeln, Sehnen, Bändern und Knochen. Eine Katze kann eine Vielzahl von Körperhaltungen einnehmen und auf sehr unterschiedliche Art und Weise Sitzen, Gehen, Liegen oder Stehen. Die jeweilige Körperhaltung einer Katze hängt stark von der aktuellen Stimmung und dem Gesundheitszustand des Tieres ab.

 

Wann ändert eine Katze ihre Körperhaltung bzw. welche Bedeutung hat die Körperhaltung einer Katze?

Katzen kommunizieren über die Körperhaltung bzw. Körpersprache. Gefühle wie Freude, Angst oder Aggressivität drückt eine Katze unter anderem über die Körperhaltung aus. Zudem liefert die Körperhaltung der Katze Hinweise auf Krankheiten, körperlichen Schmerz. Insbesondere fünf Körperregionen kommen als Signalgeber zum Einsatz - die Ohren, die Augen, die Schnurrhaare, der Rumpf und der Schwanz. Signale dieser einzelnen Körperregionen sollten nie isoliert, sondern immer in Kombination betrachtet werden. Bei der Interpretation der Körperhaltung einer Katze spielen die Begleitumstände eine wichtige Rolle. Die nonverbale Kommunikation der Katze ist so komplex, dass sie noch immer nicht vollständig vom Menschen verstanden ist. Deshalb entwickeln Katzen oft eine angewandte Lautsprache, um mit ihren Besitzern in Kontakt zu treten. Kurzum: Miaut eine Katze, meint sie oft den Menschen. 

 

Dieser Artikel gibt eine Beschreibung über die grundlegendsten Formen der Körperhaltung von Katzen. Katzenbesitzer mögen nicht jede Körperhaltung ihrer Katze wiedererkennen. Es bedarf viel Zeit und Beobachtungsgabe, sich mit der Körperhaltung einer Katze und deren Bedeutung vertraut zu machen. 

Grundstimmungen und Basisemotionen einer Katze

Eine Katze besitzt eine Bandbreite von Emotionen und Stimmungen, die unter anderem in der Körperhaltung der Katze ausgedrückt werden. 

Entspannung und Wohlbefinden

Eine entspannte Katze hält ihren Schwanz oft in einer neutralen oder niedrigen Position. Die Ohren können zusätzlich nach vorn gerichtet und die Augen halb geschlossen sein.

Erregung

Ein wedelnder Katzenschwanz deutet auf eine allgemeine Erregung hin. Für diese kann innere Unruhe, Stress oder ein bevorstehender Jagdsprung verantwortlich sein. Ein erhobener und leicht zitternder Schwanz ist meist ein Zeichen freudiger Erregung oder baldiger Reviermarkierung.

Aggression und Abwehr

Häufig signalisiert eine Katze Aggressivität oder Abwehr durch den „Katzenbuckel“, ein gesträubtes Rückenfell, zur Seite gedrehten Ohren oder Ducken. Die Augen einer aggressiven Katze sind meist schlitzförmig geöffnet. Mit verkleinerten Pupillen sind sie starr auf das Angriffsziel gerichtet. Starren empfinden Katzen als Drohung. Deshalb sollte auch der Mensch ein direktes „in die Augen Gucken“ vermeiden.

Häufig fehlgedeutet in Konfliktsituationen ist das „Sich-auf-den-Rücken-Legen einer Katze“. Diese Körperhaltung der Katze stellt nun kein „Demutssignal“ dar. Vielmehr ist sie ein Zeichen von hochgradigem Stress und Angriffsbereitschaft. In dieser Position kann die Katze ihre starken Waffen, die krallenbestückten Pfoten, optimal präsentieren.

Angst

Eine ängstliche Katze zieht ihren Schwanz wahlweise ein, schlägt ihn unter den Körper oder sträubt ihn. Die Ohren liegen meist eng am Kopf. Sie können auch ganz nach hinten gedreht sein, sodass die Rückseite der Ohren sichtbar wird. Ein ängstliches Tier drückt sich gegen den Boden und lässt den Rücken rund aussehen. Große Pupillen unterstreichen das Unwohlsein des Tieres. Tierbesitzer sollten nun gewarnt sein. Angst ist ein Basisinstinkt, der in allen Säugetieren eine körperliche Reaktion auslöst und Katzen unberechenbar machen kann. Einer ängstlichen Katze sollte Freiraum gegeben werden. Berührungen oder Bedrängungen sind nun fehl am Platz.

Wann ist die Körperhaltung einer Katze „ungesund“?

Humpeln, ungleichmäßige Belastung der Gliedmaßen und ein verringertes Aktivitätslevel weisen auf Schmerzen hin. Schmerzen spiegeln sich vor allem im Gesicht der Katzen wider. Bei leichten Schmerzen werden die Ohren leicht hängend, bei stärkeren Schmerzen seitlich gehalten. Die Form der Schnauze kann sich durch Schmerzen verändern: die Nase und die Schnauze werden dabei tendenziell unten breiter, das Gesicht kann dreieckiger aussehen. Für die Bewertung der Schmerzintensität haben Wissenschaftler der Universität Glasgow eine Schmerzskala entwickelt (Glasgow Composite Measure Pain Scale: CMPS). Das Verhalten der Katze in ihrem Körbchen oder ihrer Box, der Gesichtsausdruck und das Verhalten gegenüber dem Menschen beurteilt und mit Punkten bewertet. Anhand dieser Skala kann der Tierarzt entscheiden, ob Schmerzmedikamente notwendig sind.

Krankheiten am Skelettsystem oder der Muskulatur können Ursache für eine veränderte Körperhaltung einer Katze sein. Ebenso rufen Erkrankungen der Nerven, des Gehirns oder des Rückenmarkes Koordinationsstörungen und Änderungen in der Körperhaltung der Katze hervor. Insbesondere, wenn weitere Krankheitsanzeichen wie Gewichtsabnahme oder Berührungsempfindlichkeit hinzukommen, sollte der Tierarzt um Rat gefragt werden. 

Eine Katze kann nicht nur körperlich erkranken. Ebenso wie der Mensch kann sie auch psychisch leiden und Verhaltensstörungen, wie Angststörungen entwickeln. Meistens äußern sich psychische Erkrankungen bei einer Katze durch Unsauberkeit, Rückzugsverhalten oder Aggression. Verhaltensstörungen resultieren zum größten Teil aus mangelhaften Kenntnissen der Tierhalter bei Katzen in Wohnungshaltung.

 

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei einer anormales Körperhaltung der Katze?

Optimierung der Haltungsbedingungen

Sind Angst oder Aggression Grund für eine anormale Körperhaltung der Katze, liegen die Ursachen häufig in Haltungsbedingungen. Manche Katzen haben Angst vor bestimmten Geräuschen. Andere vor einem neuen tierischen oder menschlichen Mitbewohner. In einem Mehrkatzenhaushalt sollten Besitzer darauf achten, dass sich die Tiere wirklich mögen und nicht nur eine Zwangsgemeinschaft bilden. Anzeichen einer funktionierenden Katzenfreundschaft sind gegenseitiges Putzen und das Beieinanderliegen und -schlafen. Zeigen die Tiere kaum Interesse aneinander, kann das Schaffen von verschiedenen Rückzugsorten sowie das Aufstellen von mehreren Futterplätzen und Katzentoiletten ihr Wohlbefinden deutlich steigern. Auf das Verhalten aggressiver Tiere haben Bestrafungen keinerlei positive Auswirkung. Aggressive Katzen können ihre Besitzer angreifen und gefährliche Biss- oder Kratzverletzungen hervorrufen. Achten Sie deshalb auf Ihre Unversehrtheit und suchen Sie den Rat eines Tierarztes auf.

 

Verhaltenstherapie

Tipps für den Umgang mit ihrem Haustier liefern tiermedizinische Verhaltenstherapeuten. In der Verhaltenstherapie kann man Katzen mit Hilfsmitteln wie dem Clicker bestimmte Verhaltensweisen ab oder antrainieren. Berufsbezeichnungen wie Tierpsychologe, Katzencoach usw. sind allerdings nicht geschützt. Damit kann sich jede Person, unabhängig von ihrer Ausbildung, theoretisch so nennen. Neben hervorragend ausgebildeten Experten gibt es in dieser Branche leider auch „schwarze Schafe“. Zertifikate, Referenzen und Empfehlungen von Bekannten oder Ihrem Tierarzt helfen Ihnen, den richtigen Verhaltenstherapeuten zu finden. Sie können sich auch direkt an einen Fachtierarzt für Verhaltenskunde mit der Spezialisierung „Katze“ wenden.

 

Pheromone und pflanzliche Beruhigungspräparate

Bei sehr nervösen Katzen kann auch der Einsatz von speziellen Sprays oder Diffusern Linderung verschaffen. Diese Produkte enthalten als wirksame Bestandteile Pheromone. Zusätzlich gibt es verschiedene Wirkstoffe wie Tryptophan (essentielle Aminosäure für die Bildung von Serotonin), L-Theanin und alpha-Casozepin, deren Wirksamkeit teilweise in Studien belegt ist. Tierbesitzer können unter einer Vielzahl von rezeptfreien Produkten in der Apotheke oder im Online-Handel wählen. Fragen Sie vor dem Kauf Ihren Tierarzt bezüglich des Nutzens oder seiner Erfahrung mit diesen Präparaten. 

 

Wann sollte man zum Tierarzt?

Ändert eine Katze ihre übliche Körperhaltung, sollte unbedingt ein Tierarzt um Rat gefragt werden. Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser kann sie behandelt werden. Ein katzenerfahrener Tierarzt kann zudem wertvolle Tipps zum Umgang mit verängstigten oder aggressiven Tieren geben. Für die medizinische Versorgung von Katzen eignen sich insbesondere Kliniken und Praxen, die mit dem Zertifikat „Cat Friendly Clinic“ ausgezeichnet wurden. Diese Praxen sind eigens auf die Bedürfnisse von Katzen ausgerichtet und erfüllen bestimmte Standards. Dazu gehören unter anderem speziell ausgebildetes Personal und eigene Praxisräume für Katzen.

Die Kosten für die Behandlung einer krankhaften Körperhaltung der Katze richten sich nach der zugrunde liegenden Ursache der Schmerzen bzw. Verhaltensauffälligkeiten. Ein Tierarzt berechnet seine Leistungen nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Die Gebührenhöhe richtet sich üblicherweise nach dem Behandlungsaufwand. Bei Fragen einer Behandlung und ihren Kosten sprechen Sie Ihren Tierarzt gern an.

© AniCura, Juni 2021