Katzenverhalten richtig deuten

Katzenverhalten richtig deuten

Katzen gelten oft als eigensinnig, Einzelgänger oder launisch. Aber stimmt das auch? Oder werden sie häufig falsch verstanden?

Katzenverhalten: Von der Evolution geformt

Ein großer Teil des Verhaltens unserer Hauskatzen lässt sich auf ihre evolutionäre Anpassung zurückführen. Ihr Urahn ist hauptsächlich die auch als Falbkatze bezeichnete afrikanische Wildkatze Felis silvestris lybica. Von dieser hat die Hauskatze beispielsweise ein sporadisches Trinkverhalten beibehalten: So ist es ihr möglich bereits aus flüssigkeitsreichen Nahrungsmitteln wie Feuchtfutter ihren Tagesbedarf an Wasser zu decken. Doch damit sind Katzen auch immer noch Raubtiere und diese Herkunft sollte man nicht vergessen. Ein konzentrierter Jäger ist nicht immer das, was man sich wünscht, wenn man sich auf ein kuscheliges Kätzchen eingestellt hat.

Katzenverhalten richtig deuten: Kleine Signale wahrnehmen

Um das Verhalten unserer Hauskatze richtig deuten zu können, muss man auf die verschiedensten Signale achten. Aufschluss geben unter anderem die Mimik, vor allem die Stellung der Ohren und Schnurrhaare sowie die Position der Augen. Des Weiteren zeigen die Körperhaltung, Position des Schwanzes und mögliche Lautäußerung viel über die Intentionen der Vierbeiner.

So können Katzen uns und ihren Artgenossen ihre Stimmung oder Absichten mitteilen.

Beispiele:

Eine konzentrierte Katze kann entweder ein Beutetier anvisieren oder sich zum Sprung auf den gedeckten Küchentisch vorbereiten. Die Augen öffnen sich weit und die Pupillen werden schmal. Die Ohren und Schnurrhaare richten sich nach vorne. Der Körper ist dem anvisierten Objekt zugewandt und gegebenenfalls tief am Boden geduckt, der Schwanz gerade nach unten gesenkt mit möglichen kurzen Zuckungen, als würde er das perfekte Gleichgewicht für den folgenden Sprung suchen.

Ein ängstliches Tier wird zuerst versuchen, sich zu verstecken oder wegzulaufen. Ist diese Möglichkeit nicht gegeben, zeichnet sich eine angsterfüllte Katze durch folgende Körpersprache aus: Die Ohren legen sich eng nach hinten gerichtet dem nach unten geneigtem Kopf an. Die Augen und Pupillen weiten sich stark und die Schnurrhaare legen sich flach an. Manchmal vernimmt man ein Schnurren, welches nicht als Wohlbefinden missverstanden werden darf. Die Katze versucht sich dadurch unter Angst oder Schmerzen selbst zu beruhigen bzw. ihr Gegenüber zu besänftigen, wenn es sich um einen Konflikt handelt. Wenn die Bedrohung nicht nachlässt, ist es möglich, dass sich die Vorderbeine durchstrecken und / oder sich der bekannte Katzenbuckel mit gesträubtem Fell bildet. Beides sind Strategien, um Größe und Stärke zu vermitteln. Auch Fauchen oder Knurren können Verteidigungsversuche darstellen. Der Schwanz ist entweder unter den Körper geschlungen oder peitscht hin und her. Dieses Angstverhalten kann schnell in aggressives Verhalten wie einen Angriff mit Kratzen und Beißen umschlagen. Sei es aus Angst, Frust oder Stress, die meisten Katzen werden zuerst deutliche Warnungen geben, wenn sich ein Kampf dadurch verhindern lässt.

Eine unterschwellig drohende Katze ist unter Umständen leider nicht so leicht zu erkennen: Eine geduckte Körperhaltung mit fokussiertem Blick kann sich einstellen. Typische Merkmale von Aggression sind die aufgestellten Schnurrhaare und schmalen Pupillen.

Es gibt natürlich unzählige weitere Konstellationen, die wir hier nicht alle beschreiben können.

Harmonisches Zusammenleben

Wenn Sie Ihre Katze aufmerksam beobachten und sie „lesen“ lernen, ist dies für Sie beide ein großer Schritt vorwärts: Indem Sie Bedürfnisse Ihres Lieblings nach Ruhe, Zuwendung oder Veränderung der Lebensumstände wahrnehmen und erfüllen, gewinnt Ihre Katze das Zutrauen in Sie. Etwa, indem Sie Ihre Fellnase nur streicheln, wenn die Zeichen dafür auf grün stehen. Oder ihr einen richtig kuscheligen Rückzugsort basteln, an dem sie nicht gestört werden darf. Lassen Sie die Katze kommen, anstatt ihr zu folgen, wenn Sie etwas von ihr möchten. Sie wird es Ihnen danken!

Eine entspannte Katze erkennen Sie so: Der Körper ist ohne jede Anspannung, meist ausgestreckt auf der Seite liegend. Die Ohren richten sich auf und zeigen nach vorne. Die Schnurrhaare stehen seitwärts, die Augen sind halb geschlossen oder blinzeln. Zusätzliches Schnurren drückt hier starkes Wohlbefinden aus. Manche Katzen kuscheln sich auch richtig an oder rollen sich auf dem Schoß zusammen. Ein großer Vertrauensbeweis.

Verändertes Verhalten: Wenn die Katze krank ist

Wenn Katzen krank sind, zeigen sie möglichst nach außen keine Schwäche – ebenfalls ein Relikt der Evolution. So kommt es, dass sie zwar starke Schmerzen haben, aber z. B. nur minimal humpeln. Oder sie ziehen sich mehr zurück und schlafen viel – dabei sind sie nicht müde, sondern krank. Daher ist es gerade bei Katzen so wichtig, sie gut im Auge zu behalten. Plötzlich, aber auch schleichend verändertes Verhalten sollte Sie aufhorchen lassen.

Protest, Aggression, etc.

Aggressives Verhalten oder das Zerlegen der Wohnung ebenso wie z. B. „Protestpinkeln“ sollten unbedingt ernstgenommen werden! Sie deuten darauf hin, dass die Katze ein ernsthaftes Problem hat, großen Stress erlebt oder krank ist. Bitte bestrafen Sie sich nicht dafür, sondern holen sich professionelle Hilfe! Ein Tierarzt für Verhaltensmedizin kann mit Ihnen gemeinsam dem Problem auf den Grund gehen und Lösungsansätze liefern.

 

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