Die Staupe ist eine weltweit verbreitete, hochansteckende Virusinfektionskrankheit von Hunden und anderen Fleischfressern wie Dachs, Marder, Fuchs oder Frettchen. In vielen Fällen nimmt sie einen tödlichen Verlauf. Der einzig wirksame Schutz ist eine prophylaktische Impfung.

Erreger

Beim Erreger der Staupe handelt es sich um das Canine Distemper Virus (CDV). Es gehört zur Familie der Paramyxoviren und ist somit nahe mit dem Masernvirus des Menschen verwandt.

Das CDV steht in Verdacht, mit einer entzündlichen Knochenerkrankung des Menschen (Morbus Paget) assoziiert zu sein. Gerade in Zeiten nachlassender Impfmoral in Sachen Masernimpfung könnte das CDV zukünftig mehr in den Fokus der Humanmediziner rücken.

Das CDV ist im Sonnenlicht bis zu 14 Stunden überlebensfähig, in Räumen oder an kontaminierter Kleidung sogar einige Tage. Durch hohe Temperaturen wird es schnell abgetötet, ebenso durch die meisten kommerziellen Desinfektionsmittel. Bei kalten Temperaturen zwischen 0 und 4 Grad Celsius kann das Virus aber bis zu mehreren Wochen überleben und ansteckungsfähig bleiben.

Übertragung

Infizierte Tiere scheiden das Virus über alle möglichen Se- und Exkrete aus. Demnach kann eine Ansteckung über Kontakt zu

infizierter Tiere sowie über kontaminierte Gegenstände oder Kleidung erfolgen.

Das Virus wird in der Regel über den Mund aufgenommen oder inhaliert. Außerdem können sich ungeborene Welpen im Mutterleib infizieren.

Hunde jeder Rasse und jedes Alters können sich anstecken, sofern sie keine ausreichende Immunität gegen das CDV besitzen. Besonders betroffen sind in der Regel Welpen im Alter zwischen 3 und 6 Monaten.

Die Virusausscheidung infizierter Tiere beginnt innerhalb von 7 - 10 Tagen nach der Infektion. Tückischerweise zeigen nicht alle infizierten Tiere auch klinische Symptome, sodass Ausscheider manchmal nicht leicht zu erkennen sind. Bisweilen bleiben betroffene Tiere bis zu 3 Monate lang ansteckend.

Infektionsverlauf

Nach oraler oder aerogener Aufnahme vermehrt sich das Virus zunächst im lymphatischen Gewebe von Mandeln und Lymphknoten der oberen Atemwege. Ungefähr 8 - 9 Tage nach der Infektion kommt es zu einer Ausbreitung des Virus im gesamten Körper über die Blutbahn (Virämie). Auf diesem Weg gelangt das CDV in alle Regionen des Körpers, einschließlich der inneren Organe, das zentrale Nervensystem, Knochenmark, Augen und Haut. Der weitere Verlauf der Erkrankung ist einerseits abhängig von verschiedenen Faktoren das Virus betreffend, andererseits aber auch maßgeblich von der Immunantwort des Wirts. Zeigt dieser nämlich eine schwache Immunantwort, kommt es meist zu schwergradigen Symptomen und nicht selten zum Tod. Sollte das Tier die akute Phase überleben, treten häufig verspätet neurologische Symptome auf. Bei mittelstarker Immunantwort kommt es oft zu einer klinisch sichtbaren Erkrankung, jedoch mit weniger stark ausgeprägter Symptomatik. Manchmal bleiben die betroffenen Hunde auch symptomfrei. Doch auch diese Tiere können später neurologische Symptome entwickeln. Weist der Wirt eine starke Immunantwort auf, treten zumeist keine klinischen Symptome auf und das Virus wird in der Regel nach 9 - 14 Tagen vom Körper eliminiert. Trotzdem können sich in seltenen Fällen später noch neurologische Symptome zeigen, die sogenannten Staupeticks.

Symptome

Die ersten Anzeichen einer Erkrankung sind Fieber, Lethargie und Schwäche, oftmals verweigern die Tiere die Futteraufnahme. Die weiteren Symptome können vielgestaltig sein und hängen davon ab, welche Organsysteme das Virus beeinflusst.

Häufige Krankheitszeichen sind eine Bindehautentzündung, Symptome der Atemwege wie Husten, Niesen und Nasenausfluss sowie Erbrechen und Durchfall. Seltener sind Hautveränderungen (Rötungen, Bläschen oder Pusteln) an Unterbauch, Schenkel- und Ohrinnenflächen. Vereinzelt kann es ab der 2. Erkrankungswoche zu einer Verhärtung der Pfotenballen und des Nasenspiegels (sog. Hard pad disease) kommen, die häufig mit Entwicklung neurologischer Symptome assoziiert ist. 

Neben Bindehautentzündungen können außerdem Entzündungen verschiedener anderer Augenabschnitte auftreten und je nach Schwere und Lokalisation mit Lichtscheu einhergehen oder sogar zur Erblindung führen.

Bei Jungtieren, die sich noch nicht im Zahnwechsel befinden, kann es zu einer Schädigung der Zahnschmelzanlagen (Schmelzhypoplasie) der bleibenden Zähne kommen, was nach Durchbruch der Zähne dann als Staupegebiss bezeichnet wird. Allerdings kann diese Schädigung auch bei anderen schweren Erkrankungen auftreten und ist demnach nicht beweisend für eine durchgemachte Staupeerkrankung.

Welpen, die sich noch im Mutterleib mit dem CDV infizieren, werden abortiert, tot geboren oder kommen mit einer neurologischen Erkrankung auf die Welt.

Da das CDV über die Blutbahn auch das zentrale Nervensystem erreicht, kann es zum Auftreten neurologischer Symptome kommen, die zeitgleich mit den anderen Beschwerden, verspätet 1 - 3 Wochen nach Erholung von den übrigen Symptomen oder gar erst Monate später in Erscheinung treten können. Diese Symptome umfassen unter anderem Hyperästhesie (Überempfindlichkeit gegenüber Berührungsreizen), Ataxie (Störungen der Bewegungskoordination), Lähmungserscheinungen, epileptische Anfälle, Kau- und Schluckstörungen und Myoklonien (sog. Staupeticks, unwillkürliche Zuckungen einzelner Muskeln oder Muskelgruppen). Diese neurologische Erkrankung verläuft in der Regel chronisch fortschreitend und ist nicht heilbar.

Diagnose

Anhand der Vorgeschichte (Impfanamnese, Alter des Tieres) und der Kombination aus Atemwegs- und Magen-Darm-Symptomen kann bereits eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Der Erreger kann dann in Abstrichen von Bindehaut, Mandeln oder Genitalschleimhaut, evtl. auch in Blut, Urin oder Hirnwasser (Liquor) mittels verschiedener Verfahren (Immunfluoreszenz, PCR, selten auch mikroskopisch im Blutausstrich) nachgewiesen werden.

Eine einzelne Antikörpertiterbestimmung ist nicht sinnvoll, da die Tests nicht zwischen Impftiter und Infektion unterscheiden können. Aussagekräftig sind nur Antikörpertiteranstiege, was mindestens 2 Messungen im Anstand von 2 - 3 Wochen voraussetzt, oder ein hoher Gehalt an Antikörpern im Hirnwasser. Auch ein Blutbild allein ist nicht zur Diagnostik geeignet, da es keine typischen Veränderungen zeigt. Am häufigsten findet man eine verminderte Anzahl von Lymphozyten (eine Sorte von weißen Blutzellen) und manchmal auch der Blutplättchen. 

Behandlung

Bis heute existiert keine wirksame antivirale Therapie. Die Behandlung umfasst rein symptomatische Maßnahmen wie intravenöse Infusionen zum Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten bei Erbrechen, Durchfall und Anorexie, die Gabe von Breitspektrumantibiotika zur Behandlung von bakteriellen Sekundärinfektionen, Inhalationen bei Atemwegssymptomen und Antiepileptika bei Anfällen. Je nach Symptomatik können u. a. auch Augentropfen, Schleimlöser oder Medikamente zur Bronchienerweiterung indiziert sein. In jedem Fall brauchen erkrankte Tiere strenge Hygienemaßnahmen und intensive Pflege. Unumgänglich ist im Rahmen des Infektionsschutzes die Separierung des erkrankten von gesunden Tieren und das Tragen von Schutzkleidung und Handschuhen bei jeglichem Umgang mit dem Patienten.

Prognose

Die Prognose ist abhängig vom Verlauf der Erkrankung. Bei milder Symptomatik ist die Prognose günstig, schwer erkrankte Junghunde oder Tiere mit bleibender neurologischer Symptomatik haben eine schlechte bis infauste Prognose.

Prophylaxe

Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung der Erkrankung ist die prophylaktische Impfung. Die StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin) am Friedrich-Loeffler-Institut nennt in ihren Leitlinien die Staupe-Impfung eine Core-Komponente. Diese bezeichnen Impfungen gegen Erreger, vor denen jedes Tier zu jeder Zeit geschützt sein muss. Die aktuelle Empfehlung für Jungtiere beinhaltet Impfungen gegen Staupe im Alter von 8, 12 und 16 Wochen, mit einer Auffrischung im Alter von 15 Monaten. Damit ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Weitere Auffrischungsimpfungen sind dann alle 3 Jahre nötig.

Die häufigeren Impfungen in den ersten Lebensmonaten sind auf das Vorhandensein maternaler (mütterlicher) Antikörper zurückzuführen. Diese verhindern eine erfolgreiche Impfung (also Ausbildung einer schützenden Immunität) durch Neutralisierung des Impfvirus. Da die Menge der maternalen Antikörper und damit die Dauer ihres Vorhandenseins i.d.R. unbekannt ist, sind anfangs zusätzliche Impfungen nötig. Nach der 16. Lebenswoche sind allerdings keine maternalen Antikörper mehr zu erwarten. Daher genügt bei älteren Tieren zur Grundimmunisierung je nach Art des Impfstoffes eine ein- oder zweimalige Impfung im Abstand von 3 - 4 Wochen mit einer Auffrischung nach einem Jahr. Danach wird ebenfalls alle 3 Jahre nachgeimpft.

Dr. Nina Bitzinger, Fachtierärztin für Kleintiere, Oberärztin Station, AniCura Kleintierspezialisten Augsburg, April 2018