Schmerzen beim Hund

Wie kann man Schmerzen beim Hund erkennen?

Der Schmerz signalisiert sowohl potenzielle Schäden von außen (z. B. schützt Hitzeschmerz vor Verbrennung) als auch von innen (z. B. Herzschmerzen bei kardialer Hypoxie). Er wird deshalb auch als Schadensfrühwarnsystem des Körpers, als Akutschmerz bezeichnet. Solche Schmerzen sind meistens von kurzer Dauer, sie bewirken großteils selbst ihre Beendigung, indem der Betroffene sich der Bedrohung, in der Regel durch Reflex, entzieht.

Akuter Schmerz – Chronischer Schmerz

Im Gegensatz zu diesen akuten Schmerzen stehen chronische Schmerzzustände. Der Schmerz erhält für den Betroffenen und seine Umgebung die Dimension des (meistens als sinnlos gedachten) Leidens. Die Lebensqualität ist erheblich eingeschränkt. Der französische Vorreiter der Schmerzchirurgie, Leriche, bezeichnete den akuten Schmerz als sinnvollen Warner und Bewahrer, den chronischen Schmerz jedoch als nutz- und sinnlos, als einen Schmerz, den es mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Die Mechanismen, die aus einem Akut- einen chronischen Schmerz werden lassen, fasst man heute unter dem Begriff „Schmerzgedächtnis“ zusammen. In diesem Zusammenhang stellte die Gesellschaft zum Studium des Schmerzes aktuell fest: „Das Schmerzgedächtnis kann mehr Schaden zufügen, als der eingangs erfahrene Schmerz“ (IASP – clinical updates 1999).

Der unbehandelte oder mangelhaft behandelte chronische Schmerz mündete in einer Fülle von Beeinträchtigungen (Syndrom), wie Gewichtszunahme aber auch –abnahme, Betäubungsmittelabhängigkeit / -missbrauch / -sucht, Depressionen, Muskelschwäche, sexuelle Dysfunktion, sekundäre physische Probleme (z. B. Gastritis, Darmstörungen), Schlaflosigkeit, soziale Zurückgezogenheit, usw.

Schmerzen beim Hund

Natürlich kennt man auch beim Tier die Beeinflussung innerer Organe durch psychischen Stress. Im Vordergrund stehen beim Tier jedoch Wesensbeeinflussungen bis -veränderungen bedingt durch physischen Schmerz.

Schmerzsymptome beim Hund?

Diese Frage ist für den Veterinärmediziner von großer Bedeutung, da er es ja ist, der von den Besitzern zu einer Aussage gefordert wird: „Glauben Sie, dass mein Tier starke Schmerzen hat, dass es leidet?“

Beobachtet werden Reaktionen des sympathischen Nervensystems (Distress):

Bei der Chronifizierung des Schmerzgeschehens können sich so einige der eben angeführten Parameter wieder normalisieren. Umso mehr gewinnt dann eine subtile Untersuchung an Bedeutung – umfassend erhobener Vorbericht, sorgfältige Beobachtung in Ruhe und Bewegung, akribisch und systematisch durchgeführte manuelle Untersuchung bis hin zur gezielten weiterführenden Diagnostik (bildgebende Verfahren, Organfunktionsprüfung im Labor etc.). Vor allem beim Chroniker ist es nicht mehr die spontane und den Schmerzort anzeigende Äußerung – hier muss durch verstärkte und wiederholte Bewegung sowie durch das Abtasten (Palpation) von Schmerzpunkten der latente Schmerz wieder „geweckt“, also provoziert werden, um eine Diagnose erstellen zu können. 

© Dr. Markus Kasper, Fachtierarzt für Akupunktur und Neuraltherapie, Konservative Orthopädie, AniCura Tierklinik Aspern (Wien, Österreich), Juni 2017