Bereits im alten Ägypten vor ca. 3000 Jahren wurde über Operationen des Grauen Stars beim Menschen berichtet. Dennoch ist dies natürlich mit unserer hochtechnisierten Augenchirurgie von heute nicht zu vergleichen.

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Grundsätzlich unterscheidet man Operationen am äußeren Auge (ohne Eröffnung des Auges, z.B. Lidchirurgie) von Operationen am inneren Auge (Eröffnung des Augapfels, z.B. Operation einer verlagerten oder getrübten Linse).

Alle Operationen am Auge erfordern höchste Präzision, denn man weiß aus eigener Erfahrung, dass sich jedes noch so kleine Staubkorn im Auge wie ein riesiger Felsbrocken anfühlt. Daher wird in der Regel jede Augenoperation mit Hilfe verschiedener Vergrößerungstechniken durchgeführt, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Die beste Vergrößerung und Übersicht liefert ein Operationsmikroskop:

Nahezu alle Augenoperationen bei unseren Haustieren müssen in Vollnarkose durchgeführt werden. Nur so ist ein sicheres Gelingen bei der Millimeterarbeit gewährleistet.

Zusätzlich zu den geeigneten Vergrößerungstechniken und dem chirurgischen Geschick des Mikrochirurgens tragen die richtigen Instrumente wesentlich zum Erfolg einer Augenoperation bei. So ist eine mikrochirurgische Pinzette gerade mal so lang wie Ihr Daumen und die Häkchen an der Spitze der Pinzette mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

Häufig wird mit einem sehr dünnen Faden genäht, der nach der OP nicht wieder gezogen werden muss. Die Fadenstärke beim Verschluss der Hornhaut beträgt gerade mal 0,02 - 0,03 mm. Zum Vergleich: ein menschliches Haar ist 0,05 - 0,07 mm dick - also doppelt so dick.

Jetzt erklärt sich auch von selbst, weshalb die Augen nach einer OP besonders geschont werden müssen. Kratzen oder Belecken, würde einen so dünnen Faden schnell wieder entfernen. Daher ist bei fast allen Augenoperationen das Tragen eines ausreichend großen Halskragens, Leinenzwang und Fernhalten von anderen Tieren über einen Zeitraum von 10 - 14 Tagen Pflicht. Zusätzlich müssen fast immer Medikamente in Tropfen- oder Salbenform direkt am Auge angewendet werden. Tabletten sind nicht immer nötig.

Häufige Fragen, die sich Besitzer stellen, wenn bei Ihrem Tier eine Augenoperation ansteht.

Wie lange dauert eine Operation bzw. wie lange muss mein Tier in Narkose liegen?

Die reine Operationszeit ist meist gar nicht so lang (zwischen 30 und 60 min). Allerdings wird davor ein Venenkatheter geschoben, Medikamente über die Vene verabreicht, eine Infusion zur Schonung der Organe während der Narkose angelegt, die Sedation verabreicht, das Tier intubiert und mit Sauerstoff und Narkosegas versorgt, alle nötigen Narkoseüberwachungsmaßnahmen wie EKG, Sauerstoffsättigung, Blutdruckmessung etc. angebracht, die Temperatur regelmäßig überprüft und das Tier ggf. (gerade bei kleinen und jungen Tieren) gewärmt, das Operationsgebiet ggf. rasiert, aber immer gesäubert und desinfiziert. Erst dann kann mit der Operation begonnen werden.

Wie hoch ist das Narkoserisiko?

Nicht höher als bei anderen Operationen. Je jünger und gesünder ein Tier, desto niedriger das allgemeine Narkoserisiko. Dieses liegt bei Hund und Katze zwischen 0,1-0,2%. Kaninchen und kleine Nager haben ein etwas höheres Risiko.

Worauf muss ich nach einer Augenoperation besonders achten?

Kratzen am Auge, Belecken durch andere Tiere, übermäßige Aktivität und Kopfschütteln sind Gift für ein frisch operiertes Auge. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt bezüglich eines Beruhigungsmittels beraten, gerade wenn Sie einen kleinen Wirbelwind zuhause haben. Vielen Tieren geht es nach einer Augenoperation „viel zu schnell viel zu gut“ und sie schonen sich nicht.

Was muss ich bei der Verabreichung von Augenmedikamenten beachten?

Wenn Sie vorsichtig und behutsam mit frisch gewaschenen Händen das Auge minimal öffnen, um Tropfen oder Salben zu verabreichen, kann eigentlich nichts passieren. Nehmen Sie dazu Ihren Hund oder Katze auf den Schoß oder stellen Sie sich mit größeren Hunden in eine Zimmerecke. Kommen Sie mit dem Tropffläschchen oder der Tube immer von hinten, so dass Ihr Tier dieses nicht sieht. Übung macht den Meister und Belohnung ist Pflicht!

Wie kann ein Auge wieder funktionieren, wenn es einmal eröffnet wurde?

Ob durch einen perforierenden Fremdkörper (z.B. Dorn, Katzenkralle) oder in der OP, ein eröffnetes Auge verliert Kammerwasser und fällt in sich zusammen. Daher ist es wichtig, einen Fremdköper nicht selbst zu entfernen, sondern ihn in Position zu belassen. Manchmal wirkt er wie ein „Stöpsel“. Während der OP wird das Auge mit speziellen Lösungen gespült und wieder aufgefüllt und ist nach dem Vernähen wie gewohnt prall. Nach einiger Zeit wird die künstliche Augenflüssigkeit vom Auge selbst verstoffwechselt und durch das eigene, ständig nachproduzierte, Kammerwasser ersetzt.

Kann mein Tier direkt nach der OP wieder sehen?

Dies kann man pauschal nicht beantworten, da jede Operation andere Voraussetzungen hat. Wird beispielsweise eine trübe Linse durch eine Kunstlinse (Kataraktoperation) ersetzt, kann direkt nach einer Operation wieder gesehen werden. Anders verhält es sich bei Operationen wegen eines grünen Stars (Augenüberdruck, Glaukom) oder schweren Verletzungen durch einen Fremdkörper. Hier kann manchmal erst nach einiger Zeit das Ausmaß der Vorschädigung richtig eingeschätzt werden.

Wieviel kostet eine Augenoperation?

Auch dies kann pauschal nicht beantwortet werden, da es von vielen verschiedenen Faktoren abhängt: Art der Augenerkrankung und erforderliche OP, Größe des Tieres und damit benötigte Medikamente, Art der Narkose, Zeitfaktor etc. Alle tierärztlichen Leistungen müssen jedoch nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) abgerechnet werden. Zudem können Sie sich vor jeder OP eine Kostenschätzung schriftlich geben lassen. Viele Augenoperationen werden auch von allen gängigen Tierkrankenversicherungen übernommen.

© AniCura, Teresa Keiditsch