Haltung

Haltung von Meerschweinchen

Die Einzelhaltung von Meerschweinchen ist grundsätzlich abzulehnen! In der Schweiz ist sie sogar inzwischen per Gesetz verboten. So weit sind wir in Deutschland leider noch nicht. Aber man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass die Einzelhaltung von Meerschweinchen eine Tierquälerei darstellt. „Schweinchen brauchen Schweinchen“ lautet die Devise. Eine Vergesellschaftung mit anderen Tieren ist als sehr kritisch zu betrachten. Häufig werden immer noch Meerschweinchen und Kaninchen zusammengesetzt. Das kann funktionieren, aber nur, wenn mehrere Tiere der gleichen Gattung in einem ausreichend großen Gehege leben (z.B. zwei Meerschweinchen und zwei Kaninchen) und sich die Tiere gut verstehen.

1. Partnerwahl
Für die beste Kombination gibt es leider kein Patentrezept. Jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und wird diesen bei Bedarf auch durchsetzen. Aus Erfahrung passen Wurfgeschwister oft ganz gut zusammen.
Weibchen untereinander können wunderbar harmonieren. Allerdings kann man aber auch schon mal kleine „Zicken“ erwischen und dann wird es unangenehm.
Eine ideale Kombination ist immer noch das Pärchen (je ein Weibchen und ein Männchen). Dabei sollte aber beachtet werden, dass das Männchen kastriert sein sollte, will man eine Sammlung lustiger Gesellen vermeiden. Bei der Kastration ist zu bedenken, dass das Männchen auch nach dem Eingriff noch bis zu 6 Wochen deckfähig sein kann. Eine Alternative ist die Frühkastration (vor Eintritt der Geschlechtsreife), über die jedoch im Einzelfall entschieden werden sollte.
Zwei oder mehrere kastrierte Böckchen können ebenfalls eine gut funktionierende Männer-WG bilden. Der rangniedrigste Bock nimmt dann die Stellung eines sogenannten „Pseudoweibchens“ ein.
Eine tolle artgerechte Kombination ist ein gemischtes Rudel – bestehend aus einem kastrierten Böckchen und seinen Haremsdamen. In dieser Mischung lassen sich natürliche Verhaltensweisen am besten beobachten und die Tiere fühlen sich sehr wohl.
Bedenken sollte man bei der Zweier-WG, dass man beim Tod eines Tieres – so pietätslos es für Menschen klingen mag – schnellstmöglich einen neuen Partner für das hinterbliebene Schweinchen besorgt oder das Schweinchen in eine neue Gruppe weitervermittelt. Nicht selten trauern sich Meerschweinchen innerhalb weniger Tage zu Tode, gerade wenn die Partnerschaft sehr lange bestand.

2. Drinnen oder Draußen?
Meerschweinchen eignen sich grundsätzlich auch für die ganzjährige Freilandhaltung, sind aber wechselnden Witterungseinflüssen gegenüber wesentlich anfälliger als beispielsweise Kaninchen.

2.1. Wohnungshaltung

Vorab: einen zu großen Käfig gibt es nicht. Als grobe Faustregel kann man eine Fläche von mindestens 0,5 m²/Tier annehmen. Hält man ausgewachsene Männchen geht man sogar von einer Fläche von ca. 1 m²/Tier aus. Dies zeigt schnell, dass die meisten handelsüblichen Käfige viel zu klein für die Haltung von Meerschweinchen sind. Am besten eignen sich daher Eigenbauten. Das macht zum einen großen Spaß – gerade wenn Kinder bei der Planung und Umsetzung mithelfen dürfen – zum anderem kann man so perfekt auf die Bedürfnisse seiner Schweine-WG eingehen. Eine Eigenproduktion muss auch nicht unbedingt teurer sein als Fertigkäfige. Tolle Bauanleitungen finden sie unter anderem im Internet. Beim Auslauf in der Wohnung darf das Tier keinen Zugang zu Stromkabeln und Steckdosen haben. Giftige Zimmerpflanzen müssen entfernt oder auf einer Höhe angebracht werden, die das Schweinchen nicht erreichen kann. Bei Ihren Möbeln sollten Sie nicht traurig sein, wenn ein Stückchen fehlt, denn Meerschweinchen knabbern an allem, was ihnen zwischen die Zähne kommt. Besser ist es einen kleinen Zaun zu bauen.

2.3. Freilandhaltung
Sind Meerschweinchen an die Außenhaltung gewöhnt, kann man sie durchaus auch im Winter draußen lassen. Auch hier ist die Größe wichtig. Aber auch der Witterungsschutz darf nicht vernachlässigt werden. Regen, Schnee, Sturm haben im Gehege nichts zu suchen. Die Freilandhaltung ist sicherlich die artgerechteste Haltungsform, wenn einige Regeln beachtet werden. Schutzhütten sollten auf Stelzen stehen, damit Bodenfrost nicht ins Häuschen ziehen kann. Die Wände der Schutzhütten sollten aus mindestens 2 cm dicken Holbrettern gefertigt werden. Das Häuschen sollte nicht zu groß sein, sonst ist es schwer warmzuhalten. Empfehlenswert ist es im Herbst/Winter einen kleinen „Tretmiststall“ anzulegen. Dabei wird nicht jeden zweiten Tag komplett gemistet, sondern immer wieder neues Einstreu/Stroh nachgelegt. Die untersten Lagen kompostieren und bilden Wärme, während die Tiere auf den oberen Lagen immer trocken sitzen. Gerade in den Wintermonaten muss auf eine ausreichende Vitamin-C Zufuhr geachtet werden.


Alexandra Köhler
(Tierärztin)