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Haarausfall - Alopezie

Haarausfall - Fellverlust

Kahle Stellen kennen zahlreiche Ursachen. Sie entstehen zum Beispiel sekundär in Folge von Juckreiz oder können auch primär wegen einer hormonellen Störung vorkommen. Vielfach ist Haarverlust mit anderen Problemen gekoppelt, weswegen eine exakte Diagnosestellung unbedingte Voraussetzung für eine korrekte Therapie ist.

Haarlosigkeit, Haarausfall oder Fellverlust wird unter dem Begriff Alopezie zusammengefasst. Alopezie kann prinzipiell nicht-entzündliche (I) oder entzündliche (II) Ursachen haben. Eine Unterscheidung findet klinisch statt, oftmals muss ein Verdacht jedoch mittels Biopsie bestätigt werden.

Nicht-entzündliche Ursachen

(I) Nicht-entzündliche Ursachen können von Geburt an (kongenital) vorkommen, bisweilen gar gewollt sein wie beim Chinesischen oder Mexikanischen Nackthund oder bei Sphinx Katzen.

Manchmal kommen kongenitale Alopezien nur im Bereich schwarz pigmentierter Haare vor, dann handelt es sich um eine unvollständige Ausbildung der Follikel der schwarzen Haare. Erste Anzeichen werden in der Regel bereits in den ersten vier Lebenswochen beobachtet. Vielfach aber ist der Prozess so schleichend, dass Patienten erst nach Monaten vorstellig werden.

Selten sind sog. Trichomalazien. Haare werden durch Mangelernährung brüchig.

Hormonelle Imbalancen sind eine häufigere Ursache für nicht-entzündlichen Haarverlust. Wobei gerade Schilddrüsenunterfunktion (1) und Nebennierenrindenüberfunktion (2) bakterielle Hautentzündungen nach sich ziehen können. Daneben existieren Geschlechtshormonimbalancen (3).

(1) Vielfach überdiagnostiziert, wegen falsch erniedrigter Werte, trotzdem häufig vorkommend, ist die Schilddrüsenunterfunktion der Hunde. Eine funktionierende Schilddrüse ist für einen intakten Metabolismus unerlässlich. Schilddrüsenhormone sind wichtig für die Entwicklung von Skelett und Nervensystem und sie haben eine positive Wirkung auf die Auswurfleistung des Herzens. Sie aktivieren den Zellzyklus der Haarwurzelzellen und sind dadurch entscheidend für die Behaarung der Säugetiere. Im Gegensatz dazu wirkt sich ihre Absenz negativ auf das Haarwachstum aus. In den meisten Fällen ist eine Schilddrüsenunterfunktion erworben und ist klassisch beim großen Hund im mittleren Alter. Schlaffheit bei gleichzeitiger Gewichtszunahme und dermatologische Veränderungen wie trockenes, sprödes Haar und Haarausfall am Rumpf, sind häufige klinische Präsentationen. Erniedrigte Schilddrüsenhormonwerte, erhöhte Prohormone zusammen mit den klinischen Befunden können eine Diagnose ermöglichen. Vielfach jedoch sind spezifischere Tests erforderlich. Therapiert werden betroffene Hunde simpel mit der Gabe von synthetischem Schilddrüsenhormon. Regelmäßige Ermittlung der Hormonwerte im Blut sind zur Nachkontrolle erforderlich.

(2) Die spontane Überproduktion von Nebennierenrindenhormonen ist als „Cushings Disease“ bekannt und hat erhöhte Kortisolwerte (Stresshormon) im Blut zur Folge. Ursächlich sind entweder Mikrotumore in der Hirnanhangsdrüse (85%), wo dann zu viel Prohormon produziert wird was in einer Stimulation der Nebennierenrinde resultiert, oder seltener produzieren Tumore der Nebenniere selbst zu viel Kortisol. Klassischer Weise sind kleine Hunde mittleren Alters betroffen. Hinweisende Symptome sind vermehrtes Trinken und Harnlassen, erhöhter Appetit, die Entstehung eines tonnenförmigen Bauches und vermehrtes Hecheln. Hautsymptome sind generalisierter Haarverlust, dünnere Haut und Mitesser. In Blutbild und Organprofil kann es Hinweise auf eine Nebennierenrindenüberfunktion geben, für eine akkurate Diagnose jedoch sind spezifische Tests mit denen sie Stimulations- oder Unterdrückungsfähigkeit der Nebennierenrinde getestet werden nötig. Zusätzlich wird häufig ein Ultraschall von Nebenniere und Leber, die sich sekundär zu einer Nebennierenrindenüberfunktion sichtbar verändert, empfohlen. Therapiert wird eine Nebennierenrindenüberfunktion in der Regel medikamentös. Neben Mikrotumoren in der Hirnanhangsdrüse oder Tumore in der Nebenniere kann eine Stresshormon-induzierete Haarlosigkeit auch durch andauernde Kortisongaben (iatrogen) verursacht werden. Auch Katzen können an einer spontanen oder iatrogenen Nebennierenrindenhormonüberproduktion erkranken. In 80% der Fälle haben die Katzen zusätzlich einen Diabetes mellitus.

(3) Geschlechtshormonimbalancen können bei intakten männlichen wie weiblichen Tieren vorkommen. Eierstockszyten oder Tumore an Eierstöcken und Hoden sind ursächlich. Tendenziell sind ältere Tiere betroffen. Haarausfall und Hautinfektionen können auch hier vorkommen.

Haarausfall unbekannter Genese (Alopezie X) kommt häufiger bei Hunderassen mit dichtem Unterfell vor. Die bekanntesten Vertreter sind Zwergspitz und Chow Chows. Nach sorgfältigem Ausschluss von anderen zu Grunde liegenden Ursachen, kann die Diagnose Alopezie X gestellt werden.

Die Schablonenkahlheit (Canine pattern alopecia) kommt relativ häufig vor, dennoch ist sie nicht gut untersucht. Es handelt sich um symmetrischen Haarverlust der zwischen einem halben Jahr bis zu 2 Jahren anfängt deutlich zu werden. Meist ist er auf der Unterseite der Tiere lokalisiert, aber er kommt genauso an den Außenflächen der Ohrmuscheln vor. Rassen mit kurzem feinem Fell sind betroffen. Häufigste Vertreter sind Dachshunde.

Entzündliche Ursachen

(II) Haarverlust verursacht durch Selbsttrauma, ist eine der Ursachen, die uns am häufigsten begegnen. Diese Ursache steht gewissermaßen zwischen entzündlichen und nicht-entzündlichen Alopezien, denn Entzündungen der Haut werden häufig im Zusammenhang mit Selbsttrauma, dem vielfach Juckreiz vorausgeht, beobachtet. Vielfach sind entzündliche Erkrankungen ursächlich für lecken, kratzen, reiben oder sich beißen. Entzündliche Ursachen sind entweder infektiös oder nicht. Allergien, eosinophile Reaktionsmuster, Parasiten, Infektionen mit Bakterien, Hefen oder Hautpilze sind die häufigsten Ursachen. Bei Katzen allerdings ist Juckreiz vielfach nicht augenscheinlich. Bei dieser Spezies gilt es zudem psychogenen Haarverlust zu unterscheiden. Alle anderen Ursachen müssen allerdings zuerst ausgeschlossen werden. Wenn die entsprechende Ursache erfolgreich therapiert wird, lässt Juckreiz und somit Haarverlust nach.

Alopecia areata

„Alopecia areata“ betrifft etwa 2% der menschlichen Bevölkerung. Auch andere Säugetiere wie Hunde und Katzen haben das Bild einer Alopecia areata. Es tritt eine Schädigung am Haarfollikel in der Wachstumsphase auf. Verschiedene epigenetische Faktoren sind ursächlich für Alopecia areata. Betroffene Rassen sind unter anderem Berner Sennenhund, Dachshund, Dobermann Pinscher, Deutscher Schäferhund, u.a.. Gut abgegrenzte haarlose Stellen entstehen spontan, zunächst an Kopf und Schnauze, meist symmetrisch. Die Haarlosigkeit kann sich auf die Gliedmaßen und selten auf den gesamten Körper ausbreiten. Die Diagnose muss mittels Biopsie gestellt werden. Spontanes Nachwachsen der Haare ist der häufigste Fall bei Mensch und Hund. Ist diese nicht der Fall kann durch orale Kortison- oder Cyclosporingaben in hohen Dosen ein Nachwachsen der Haare erzielt werden. Eine Pigmentierung der Haare findet oft sehr lange nicht statt, da Zellen die für die Farbgebung der Haare zuständig ist (Melanozyten) stark beschädigt sind.

Sebadenitis

Sebadenitis ist eine seltene Hauterkrankung der Hunde. Talgdrüsen gehen durch Entzündung zu Grunde, Haare brechen leicht ab, da sie Talg fehlt um sie geschmeidig zu halten.